Endlich bin ich da. Ein lang gehegter Traum wird wahr: mit den Gauchos durch die Pampa reiten!
Mit dem Bus bin ich bis nach Lezama, bei Chascomus gekommen, hier holt mich Patricia, die Chefin der Estancia ab. Wir fahren noch einmal 40 Minuten über das unendlich weite Grasland bis zur Estancia. Kein Berg begrenzt die Sicht. Ein riesiger Himmel, durchzogen von dünnen Wolkenfäden, bildet mit der topfebenen Pampa eine schnurgerade Horizontlinie. Unterwegs auf der staubigen Straße treffen wir kaum auf andere Autos, ringsum nur Felder, Weiden und unendliche Weite. Vermutlich leben hier mehr Tiere als Menschen. Kein Lichtermeer einer Stadt überstrahlt den Sternenhimmel, keine Abgase, die die Sicht vernebeln. Der fast volle Mond leuchtet klar und silbern.
Dann fahren wir durch ein großes mit einem Bogen überspanntes Gatter, auf dem der Name der Estancia steht, El Venado. Die Estancia trägt den Namen des Flusses der sich durch ihr Land schlängelt. Aber das Haus ist immer noch nicht zu sehen. Einige Hundert Meter und ein paar Gatter später stehen wir dann vor dem Haus im spanischen Hacienda-Stil. Dahinter verbirgt sich ein großer idyllischer Garten mit Bäumen aus aller Herren Länder, den viele verschiedene Vögel, darunter auch grüne Wellensittiche, ihr zu Hause nennen.
Am nächsten Morgen werde ich von dem vielstimmigen Vogelkonzert geweckt. Ich habe selten so gut geschlafen. Nur das leise Fipsen einer Fledermaus durchbricht hier draußen hin und wieder die nächtliche Stille.
Heute darf ich Juan, dem sonnengebräunten Gaucho und Herr über 250 Polo-Pferde, die Patricias Bruder hier züchtet, ein wenig helfen. Wir reiten raus auf eine der zahlreichen Weiden, um die Pferde dort zu kontrollieren. Sind alle unverletzt, keiner krank, die Zäune noch in Ordnung? Alles klar und es geht wieder zurück. Das war schon mal ganz nett und interessant, aber nur halb so spektakulär wie das, was danach kommt!
Mit aufrechter Haltung und breiten Schultern reitet der stolze Gaucho Hugo auf den Hof. Klar, mit so einem schicken Pferd, da wäre ich auch stolz! Seine Kühe müssen zum Zählen auf eine Weide zusammengetrieben werden und wir sollen ihm helfen. Das klingt doch nach echter Gaucho-Arbeit! Wir beginnen mit den kleineren, den frechen Halbstarken. Mit einer Mischung aus Angst und Neugier beäugen die kleinen Kühe erst mal die Pferde. Doch schließlich siegt die Furcht und sie treten die Flucht in die gewünschte Richtung an. Die Mutigeren jedoch hören den Ruf der Freiheit und wollen lieber eigene Wege gehen. Immer wieder müssen kurze Sprints mit dem Pferd hingelegt werden, um sie zum Rest zurück zu treiben. Manch kleines Rind ist aber auch richtig renitent und will partout nicht durch das nächste Gatter gehen. Wild geht es hin und her, mit lauten Rufen, Pfeifen und Schnalzen versuchen die Gauchos es durchs Gatter zu treiben. Aber fast schon flink wie ein Hase gelingt es der kleinen
Kuh immer wieder den Gauchos zu entwischen und zwischen den einzigen Bäumen die weit und breit stehen zurück bis ganz ans andere Ende zu rennen. Juan findet das nicht so lustig, muss er doch jedes Mal hinterher galoppieren! Es hilft alles nichts, das Lasso wird ausgepackt. Gekonnt fängt Hugo das kleine widerspenstige Rind ein und letztendlich hat es doch keine andere Möglichkeit mehr, als zu tun was von ihm verlangt wird.
Dann sind die großen erwachsenen Rinder dran. Die kennen das Prozedere schon. Hunderte große, stämmige schwarze Rinder setzen sich in Bewegung. Eine Staubwolke umhüllt die Herde, als die schweren Tiere über die trockene Pampa trotten. Zwei Stiere tragen noch schnell, ihre riesigen Schädel aneinander stoßend, ihre Differenzen aus. Von denen halt ich mit meinem zierlichen Polo-Pferd lieber etwas Abstand!
Nach drei Stunden ist es geschafft, alle Kühe sind wohlbehalten da wo sie sein sollen. Und wir reiten etwas erschöpft zurück zur Estancia, in einen furiosen Sonnenuntergang in der argentinischen Pampa.
Ich bin in Salta und stelle fest, ich habe schon wieder zu wenig Zeit eingeplant! Voll verplant oder einfach doch zu wenig Urlaub?
Ok, Salta ist subtropisch schwül-warm und meine Haare sehen wegen der hohen Luftfeuchtigkeit wie explodiert aus, aber trotzdem, mir gefällt es hier.
Aber eben leider zu wenig Zeit. Um das Optimale raus zu holen buche ich also die größte Tour, die es gibt. Sie deckt die wichtigsten Sehenswürdigkeiten im Umland ab und dauert 15 Stunden. Ein mörderisch langer Tag im Bus, denke ich. Am Morgen dann stellt sich heraus, wir sind nur zu dritt, deshalb fährt unser Guide mit seinem Auto vor. Irgendein Fiat, älteren Baujahrs.
Und los geht es entlang der berühmten Zugstrecke des Tren a las Nubes, dem Zug in die Wolken, der sich bis zum, auf 3775 m hoch gelegenen San Antonio de los Cobres hinauf windet.
Hoch ragen die Berge auf beiden Seiten aus, die Vegetation wird immer spärlicher und irgendwann stehen baumhohe Kakteen wie Wächter an den bunten Berghängen der Quebrada del Toro.
Die erste kurze Pause machen wir in Santa Rosa de Tastil, auf mittlerweile 3100 m. Oberhalb der Stadt befinden sich die Ruinen einer präinka Siedlung. Bevor die Inka kamen, lebten hier 2000 bis 2500 Menschen.
Immer höher führt uns die Straße, bis auf über 4000 m bevor es wieder ein paar Meter runter geht in die verschlafene Bergarbeiterstadt San Antonio de los Cobres.
Unser Guide hat sich mittlerweile ein paar Kokablätter in die Backe gestopft. Von mir aus, wenn das hier Tradition hat. Aber ich versteh ihn kaum noch, er spricht als ob er heiße Kartoffeln im Mund hätte. Und außerdem sieht es blöd aus, mit so einer ausgebeulten Backe!
Nach der Mittagspause in San Antonio de los Cobres geht es weiter auf meiner geliebten Ruta 40. Nun ja, wir werden wohl keine Freunde mehr, die Ruta 40 und ich! Unser Fahrer hat sein Fenster offen, als ich merke, dass der Staub von der sandigen Schotterpiste schön an ihm vorbei zu mir nach hinten zieht, ist es schon zu spät. Ich sehe aus, als hätte ich mich im Sand gewälzt, meine Haare formen sich bereits zu Rastalocken. Ruta 40 fahren macht echt keinen Spaß!
So langsam beschleicht mich außerdem das Gefühl, dass der Konsum von Kokablättern sich irgendwie auf die Fahrtüchtigkeit auswirkt. Unser Guide steuert seinen armen Fiat in hohem Tempo über die Schotterpiste. Es rumpelt und scheppert, Steine knallen gegen den Unterboden. Ob das dem Auto gefällt?
Nächster Stopp Salinas Grandes. Ein Salzsee, 525 km² groß. Und wir stehen mitten drauf. Mitten auf einer topfebenen strahlend weißen Fläche aus Salzkristallen. Nur der kleine weiße Fiat, drei Touristen und ihr Guide, sonst nichts. Stimmt nicht ganz, irgendwo da hinten sind ein paar Arbeiter, die das Salz abbauen.
Irgendwann hat auch die Fahrt auf der Ruta 40 ein Ende und wir biegen auf eine asphaltierte Straße ab. Ein Glück! Mühsam kriechen schwer beladenene Lastwagen vor uns die Passstraße hoch auf 4100 m, der höchste Punkt unserer Fahrt heute. Steil und in engen Serpentinen geht es nun wieder 2000 Höhenmeter nach unten. Funktionieren die Bremsen noch? Oh, ich will es hoffen! Unser Kokablätter kauender Chauffeur fährt doch ganz schön zügig. Keine Leitplanken, die uns nur ein wenig aufhalten könnten. Ich schau zu meinen beiden Compañeras rüber, ja, die schauen auch ein wenig verkrampft drein.
Entspannen kann ich mich erst wieder als wir durch die fantastische Quebrada de Humahuaca fahren. Aber nicht etwa weil der Fahrstil weniger rasant wäre, sondern weil ich vollkommen hingerissen bin von den Farben und Formen des Cañons. Erosion hat die Felsen zu Wellen und anderen spektakulären Formationen geformt. Das findet wohl auch die UNESCO sehenswert und hat die Quebrada der Humahuaca zum Welterbe erklärt.
Und wann kommt der Fotostopp? Das Abendlicht wäre jetzt gerade perfekt! Wie schön sich die Felsformationen duch das Spiel von Licht und Schatten hervor heben! Ich weiß, wir halten noch einmal Purmamarca, beim Cerro de los Siete Colores, aber wann sind wir da? Los, gib Gas! Jetzt wäre es mir auch recht!
Ich könnte grad heulen! Wir sind in Purmamarca, ich seh genau, es gibt nur noch ein paar Minuten gutes Licht, dann verschwindet die Sonne hinter den Bergen und wir sind mitten im Ort. Überall Häuser und Stromleitungen. Keine Chance ein vernünftiges Foto der umliegenden bunten Berge zu machen!
Was sollen wir überhaupt hier? Unser Fahrer hat uns direkt am Marktplatz aussteigen lassen. An einem Touristenmarkt mit bunten Deckchen, Handtäschchen und Geldbeuteln, von denen der einfache Tourist glaubt, sie wären authentisch für die Andenregion. Offensichtlich sollen wir hier konsumieren. Gut, dann kauf ich wenigstens eine Postkarte von der Quebrada de Humahuaca, wenn ich schon kein Foto machen kann.
Das war dann auch der letzte Höhepunkt der Tour. Es ist ja auch bereits dunkel. Zwei Stunden dauert die Fahrt zurück nach Salta. Zwei lange Stunden! Unser Guide hat es jetzt besonders eilig, er fährt wie der Henker! Geschwindigkeitsbegrenzung? Egal! Überholverbot? Egal! Wie ein Rowdy fährt er, fährt dicht auf, gibt Lichthupe wenn sich vor ihm einer erdreistet sich an die Verkehrsregeln zu halten.
Wir haben es geschafft. Doch noch wohlbehalten sind wir zurück in Salta. Ich denke ich höre nicht recht, unser Fahrer bedankt sich bei Gott, dass wir wieder gesund zurück sind! Soll er doch besser vernünftig fahren, dann braucht er nicht auf himmlischen Beistand hoffen!
Für mich nur ein Zwischenstopp auf dem Weg nach Salta, noch weiter im Norden, überrascht mich das mediterrane Mendoza. Es ist die erste richtige argentinische Stadt auf meiner Reise.
Ich tue es den Argentiniern gleich und trinke in der Fußgängerzone gemütlich einen Kaffee, dazu gibt es ein kleines Croissant, das hier Medialuna, Halbmond, heißt. Danach treibe ich mich auf einem der fünf Plätze im Stadtzentrum herum.
Wie die Fünf auf einem Würfel sind sie angeordnet. In der Mitte befindet sich der größte, der Plaza Independencia. Mit seinen Grünflächen und Springbrunnen ist der Platz mehr ein kleiner Park, der von den Mendocinos mit viel Leben erfüllt wird. Hier hält man entspannt eine kleine Siesta, sitzt einfach ein wenig rum und beobachtet das bunte Treiben oder trifft sich mit seinem Liebsten. Das scheint überhaupt die eigentliche Bestimmung aller Plazas in Argentinien zu sein. Sie fungieren als
Bühne für verliebte Paare aller Altersklassen. Dies ist der Ort an dem der heißblütige Argentinier zeigt, in wen er gerade unsterblich verliebt ist. Komm, wir gehn zum Knutschen auf die Plaza!
Am Abend dreht der Platz dann aber vollends auf. Musik, Clowns, Artisten, Marktstände und Eisverkäufer sorgen für Volksfeststimmung.
Bekannt ist Mendoza aber vor allem für seine guten Weine. Fast jeder argentinische Wein kommt aus dieser Gegend. Da ist der Besuch eines Weinguts fast schon Pflichtprogramm.
Mir steht leider viel zu wenig Zeit zur Verfügung, daher entscheide ich mich für eine Tour zum Aconcagua, mit 6962 m der höchste Berg der Anden. Ich finde, das muss man wirklich gesehen haben!
Über die legendäre Ruta 40 erreiche ich nach zwei langen Tagen Busfahrt von El Chaltén endlich San Carlos de Bariloche.
Die legendäre Ruta 40. Sie führt entlang der Anden von Nord nach Süd durch ganz Argentinien. Teilweise asphaltiert, überwiegend jedoch Schotterpiste. Warum aber legendär? Das erschließt sich mir auch nach zwei Tagen im Bus nicht. Vielleicht legendär langweilig? Von El Chaltén bis Esquel ändert sich die Landschaft praktisch nicht. Immer dieselbe karge, weitgehend topfebene, Einöde. Doch plötzlich fahren wir zwischen hoch aufragenden Bergen. Bäume säumen die Hänge. Dann endlich Bariloche. Malerisch liegt es am Nahuel Huapi See, umrundet von Bergen. Und es ist grün.
Mein Hostel, das Hostel Inn, liegt ein wenig am Berg, zwar mühsam zu erklimmen mit dem schweren Reisegepäck, der Panoramablick von der Terrasse über den See und die Stadt ist aber kaum zu überbieten.
Hier gibt es viel zu tun und zu erleben. Ich komme kaum noch mit, als mir die nette Frau vom Hostel aller erklärt. Mag aber auch an ihrem rasanten spanischen Redefluss gelegen haben.
Unbedingt probieren muss man hier die Schokolade. In der Schokoladen-Hauptstadt des Landes gibt es unzählige Geschäfte, große und kleine. Ich frage mich nur, wenn die Schokolade tatsächlich so toll ist, warum gibt es dann in jedem Supermarkt Toblerone?
Um die überflüssigen Kalorien wieder los zu werden, hat man dann die Qual der Wahl. Kajak fahren auf dem See. Je nach Wind und Wellengang vielleicht nicht unbedingt empfehlenswert. Rafting bis zur chilenischen Grenze, Reiten oder Wandern im Nationalpark Nahuel Huapi. Oder eine kleine Fahrradtour auf dem Circuito Chico, eine kleine Schleife entlang des Sees, mal bergauf, mal bergab. Lediglich 27 km, das kann jeder schaffen. Und Radeln, das ist sowieso mein Metier!
Gesagt, getan.
Mit dem Bus geht es bis Kilometer 18,3, dort ist der Fahrradverleih „Circuito Chico Mountain Bike“. Zum Fahrrad mit Helm gibt es auch eine Karte dazu, damit wir auch wissen, wo es was zu sehen gibt, denn verfahren kann man sich nicht, es gibt nur die eine Straße. Der Mann vom Fahrradverleih erklärt uns noch was für ein wahnsinns Glück wir haben. Heute ist Markt in der Colonia Suiza, ein kleines Dorf, von Schweizern gegründet. Es soll angeblich wie ein Schweizer Bergdorf aussehen. Na, da sind wir ja mal gespannt! Die Colonia Suiza ist auch gleich der erste Stopp, also gehen wir mal auf Erkundungstour des unbekannten schweizer Überseedepartements. Auf dem Markt finden wir Schweizer Torte, die eigentlich wie eine Schwarzwälder Torte aussieht. Aber immerhin, einige der Häuser sehen tatsächlich ein klein wenig nach schweizer Bergdorf aus. Das Dorf ist winzig, so sind wir mit erkunden schnell fertig und schwingen uns wieder auf die Räder, weiter auf den Circuito Chico.
Noch sind wir guter Dinge, das Wetter war bisher ganz ordentlich, ein wenig windig, aber einigermaßen sonnig. Bei der ersten Kaffeepause aber, beginnen uns die Wolken vorsichtig in die Tassen zu spucken. Ist bestimmt nur ein kurzer Nieselregen! Kurz darauf befinden wir dann doch, dass es Zeit für die Regenjacke wird. Aber natürlich nur wegen dem kühlen Wind während der rasanten Abfahrt!
Nächster Halt Lago Escondido. Der versteckte See. Laut Beschreibung soll der idyllische kleine See zum Relaxen einladen. Heute jedenfalls nicht. Kalt. Nass. Windig. Wenigstens finden wir unter dem dichten Blätterdach ein einigermaßen trockenes Plätzchen für eine kurze Vesperpause.
Gestärkt und voll Motivation fahren wir weiter Richtung Bahia Llao Llao. Die verpassen wir aber. Jetzt regnet es richtig. Unsere Schönwetter-Räder besitzen keine Schutzbleche. Von allen Seiten kommt das Wasser. Jetzt macht es echt keinen Spaß mehr! Sollen wir vielleicht die Notfall-Rescue-Nummer anrufen und uns abholen lassen? Kostet nur 15 Pesos, das wäre es mir jetzt wert. Im kleinen Ferienort Llao Llao finden wir Unterschlupf in einem Café.
Ein wenig angetrocknet und aufgewärmt machen wir uns auf die letzten 7,5 km. Und was ist das? Die Sonne hat sich wieder zurück gekämpft! Jetzt geht alles wieder ganz leicht und nachdem uns noch die lustigen Badurria-Vögel mit dem krummen Schnabel über den Weg gelaufen sind, haben wir die Quälerei durch das schlechte Wetter schon wieder fast vergessen.
Zum krönenden Abschluss erhalten wir vom Fahrradverleih noch eine Gutschein für ein Freibier. Das heitert uns jetzt wieder richtig auf und wir finden letztendlich war es doch ein schöner Ausflug!
Wieder einmal Glück gehabt! Ich sitze bereits im Bus raus aus El Chaltén, ein Blick zurück und es tut sich ein wunderschönes Panorama auf. Zum Abschied zeigen sie sich, der Cerro Torre, der Poincenot und der großartige Fitz Roy. Hatten sie sich die vergangenen Tage doch immer schüchtern in ihr Wolkenkleid gehüllt. Das ist ein gelungener Abschluss für meinen Aufenthalt im Parque Nacional Los Glaciares im südlichen Patagonien.
Zahllose Gletscher winden sich hier die Berge hinunter, Ausläufer des Südpatagonischen Eisfeldes. Der wohl bekannteste ist der Perito Moreno im Südteil des Nationalparks in der Nähe von El Calafate. Er ist zwar nicht der größte, steht man jedoch vor der 60 Meter hohen Wand aus blauem Eis, die in den Lago Argentino ragt, ist das kaum von Bedeutung.
Zwei Meter schiebt sich der Gletscher täglich talwärts, und das kann man hören und sehen. Es knackt und kracht, mit einem lauten Knall stürzen große Eisbrocken ins Wasser. Leicht zu beobachten ist dieses Spektakel aber nicht, denn in dem Moment, in dem man den Knall hört, ist alles schon vorbei. Also immer gut aufpassen!
Von El Calafate sind es drei Stunden Busfahrt nach El Chaltén durch dieses ganz andere Patagonien, als ich es von Chile her kenne. Dieser Teil Patagoniens liegt im Regenschatten der Anden, ist daher sehr trocken. Nur wenige Kilometer von den grünen Bergen entfernt, verwandelt sich die flache, maximal hügelige Landschaft fast schon in eine Wüste. Auf dem steinigen Boden wachsen nur kleine bodennahe Büsche.
In El Chaltén angekommen, werde ich erst einmal von einem heftigen Wind begrüßt, der einem glatt umhauen könnte. In allerlei Schräglagen, mal einen Ausfallschritt nach rechts, mal nach links machend, bewegen sich die Menschen mühsam gegen den Wind ankämpfend vorwärts. Daran muss man sich in der nationalen Trekkinghauptstadt gewöhnen. Glücklicherweise weht er nicht immer in dieser Stärke.
Zahlreiche Wanderwege führen zu den Gletschern und den über 3000 Meter aufragenden Bergen. Informationen dazu und über das Verhalten im Nationalpark erhält man im Büro der Nationalparkverwaltung.
Die meisten Touren sind Tageswanderungen. Die ganz hart gesottenen können aber auch mit Sack und Pack zu einer mehrtägigen Wanderung losziehen und auf den kostenlosen Campingplätzen ihr Zelt aufschlagen.
Eine der schönsten und beliebtesten Routen führt zur Laguna Torre. In drei Stunden geht man durch ein weites vom Wind abgeschirmtes Tal, durch Südbuchenwälder, die im Herbst in bunten Farben schillern. Hier ist man weit weg von jeglicher Zivilisation. Es ist kein Mucks zu hören, nur hin und wieder durchbricht ein Vögelchen die Stille.
Nur wenige Höhenmeter legt man zurück, aber je näher man den Bergen kommt, desto kälter wird es. Von weitem ist auch schon das gewaltige Eisfeld des Glaciar Grande zu erkennen.
Hat man dann die riesige Endmoräne aus Sand und Kies überwunden, steht man am Ufer der Laguna Torre, dem Gletschersee des Glaciar Grande. An klaren Tagen hat man von hier aus einen tollen Blick auf den Cerro Torre. Doch dieses Glück blieb mir leider verwehrt. Trotzdem, es war ein wunderschöner Tag in den patagonischen Bergen, die zwar ähnlich, aber doch so ganz anders als unsere vertrauten Alpen sind.
Parque Nacional Los Glaciares – informative Seite, leider nur in Spanisch:
http://www.parquesnacionales.gov.ar/03_ap/23_glaciares_PN/23_glaciares_PN.htm
Wer oft genug fliegt, kommt garantiert früher oder später auch mal in ein größeres Schlamassel. Mal sind es Schnee und Eis, mal ein Vulkanausbruch, der alles blockiert. Der Zufall entschied sich dieses Mal für mich und lies den kompletten Funkverkehr aller Flughäfen in Buenos Aires zusammenbrechen.
Nichts geht mehr, keine Starts, keine Landungen. Das totale Chaos. Es bilden sich lange Schlangen gestrandeter Passagiere. Aber wohin führen sie? Aus dem Gebäude raus, ins Gebäude rein. An einer Stelle treffen zwei Schlangen aufeinander. Es entsteht ein Streit darüber, welche nun die richtige sei und wer dem zufolge als erster dran ist. Abgesehen von ein paar kleineren Scharmützeln dieser Art, warten alle stoisch ruhig darauf, dass sich die Menschenschlange ein kleines bisschen vorwärts bewegt.
Schnell bilden sich kleine Grüppchen Reisender, die sich über die wenigen Informationen, die man irgendwo aufschnappt austauschen. So erfahre ich auch, dass ich eigentlich mein Gepäck hätte abholen sollen. Kein Problem, meine neue Herde hält mir den Platz frei.
Wilde Spekulationen gehen durch die Reihen. Wann wird man wohl weiter fliegen können und wo verbringt man die Nacht? Das augenscheinlich herrschende Chaos vermittelt dem kontrollbesessenen Europäer nicht unbedingt das Gefühl guter Organisation.
Nach etwas mehr als einer Stunde Schlange stehen geht dann alles ganz schnell und unkompliziert. Ich erhalte einen neuen Boardingpass für einen Flug am nächsten Morgen und eine Hotelübernachtung inklusive Abendessen, Frühstück und Transport. Wie schon so oft in Lateinamerika, es funktioniert immer alles irgendwie!
Ein Minibus bringt uns zum Hotel. Ich frage mich, was das wohl für eine Absteige sein wird. Aber nach einer Nacht im Flieger und einem Tag am Flughafen ist mir das eigentlich egal. Hauptsache ein Bett und eine Dusche. Umso erstaunter bin ich, als der altersschwache Minibus in bester Innenstadtlage an der Avenida 9 de Julio, mit insgesamt 16 Spuren die breiteste Straße der Welt, vor dem 4-Sterne-Hotel Conte hält. Nicht einmal das Gepäck dürfen wir selbst ins Hotel bringen, das macht selbstverständlich der Page! Ihre Hotelgutscheine wedelnd stürmt darauf hin eine Horde junger Erwachsener in Jeans und T-shirt die aufgeräumte und vornehme Lobby.
So wie die Lobby, wirkt auch mein Zimmer, auf den ersten Blick sehr nobel. Es ist riesig, mit einem riesigen Bett, auf dem pro Seite jeweils drei Kissen liegen. Die Wand ist Holzvertäfelt, das Bad ist sogar mit Bidet ausgestattet.
Da hat sich Aerolíneas Argentinas wirklich um eine angemessene Entschädigung bemüht.
Von Urlaub war zwar an diesem ersten Reisetag nicht viel zu spüren, aber jetzt sitze ich tatsächlich im Flieger nach El Calafate. Und weil dieser Flug via Ushuaia geht, erhalte ich als Bonus noch einen kleinen Rundflug über die spitzen Berge Feuerlands. Wenn das mal nichts ist!
- Reiseblog Mexiko 2008 -
Nach einem kurzen Zwischenstopp in dem gar nicht so schönen Villahermosa, bin ich für drei Nächte in meinem vorletzten Quartier meiner Mexikoreise, in Merida angekommen.
So in etwa tausendmal hatte ich gehört wie toll Merida sein soll. Und warum gleich nochmal??? Ich hab wohl vergessen nachzufragen, was die Stadt so besonders toll macht! Der wahnsinns Verkehr
und die stickige Luft kann´s ja wohl nicht sein. Und wer gern alte Kolonialhäuser mag, sieht in Campeche schönere. Also, was macht diese Stadt zu einem Must-Do? Ist es die Lage, die die Stadt zu einem günstigen Ausgangspunkt für Ausflüge nach Chichen Itza und anderen Maya-Ruinen, den zahlreichen Cenoten oder dem Biosphärenreservat von Celestun macht? Oder fahren die Leute einfach mit einem guten Gefühl wieder weg, weil sie in einem chilligen Hostal in der Hängematte übernachtet haben und nette Leute kennengelernt haben?
Mein Hostal, das Nomadas, ist da auch echt mal ein Highlight unter den bisherigen. Ein kuschelig, lauschiger Platz in der sonst so lauten und hektischen Stadt! Praktisch auch weil sie Ausflüge organisieren.
Mittlerweile hab ich ja ein kleines Natur-Defizit, also hab ich mich entschlossen den Ausflug nach Celestun mit zu machen. Das war auch genau nach meinem Geschmack!
Das Reservat von Celestun, eine verzweigte Bucht am Meer, mit gerademal 80 cm tiefem Wasser und Mangrovenwäldern, ist ein Habitat für zahlreiche Vögel. Unter anderem gibt es eine riesige Flamingokolonie, die schon von weitem als pinker Streifen am Horizont zu erkennen ist.
Und so was hab ich ja noch nie gesehen, das Wasser ist blutrot! So klar, dass man auf den Grund sehen kann, aber total rot gefärbt. Natürlich wurde wild spekuliert was da die Ursache sein könnte, denn der Kapitän unserer kleinen Nussschale konnte/wollte keine Auskunft geben. Er war
zu sehr mit dem Motor beschäftigt, warum auch immer! Ich habe vermutet, dass die rote Färbung von irgendwelchen Bakterien verursacht wird. Man konnte immer wieder Gasblasen aufsteigen sehen und es lag ständig ein dezent schwefliger Geruch in der Luft.
Zum Abschluss manövrierte uns der Kapitän in Formel 1-Manier in einen spektakulären Tunnel aus Mangroven.
Nach einem super Mittagessen in einem Restaurant am Strand von Celestun, konnten wir den Tag mit einem Bad im Golf von Mexiko ausklingen lassen.
Das war echt mal ein gelungener Tag!
Morgen geht´s auf zu meiner letzten Station, nach Cancun. Dann sind auch schon wieder vier Wochen Urlaub unter der schön warmen tropischen Sonne Mexikos zu Ende!
- Reiseblog Mexiko 2008 -
Heut war eher mal ein lässiger Tag. Postkarten schreiben, Souvenirs kaufen und über den Markt schlendern.
Der Markt in San Cristobal ist echt riesig und so unübersichtlich, dass man sich verlaufen kann! Hauptsächlich wird Obst und Gemüse verkauft, aber auch Fleisch, tot oder lebendig. Und wie hübsch sie die Früchte immer zu kleinen Pyramiden aufbauen! Ob das irgendwie genetisch veranlagt ist? Die Maya hatten ja auch schon einen Hang zu Pyramiden.
Außer dem großen Markt gibt’s auch noch einen kleinen Kunsthandwerksmarkt, wo die Leute aus den umliegenden Dörfern ihre Sachen verkaufen. Aber Vorsicht, nicht alles ist auch handgemacht und original! Vieles kommt aus Guatemala, wo die Arbeit noch billiger ist als in Mexiko. Gerade die typischen bunt gemusterten Taschen kommen von dort und sind maschinell gefertigt. Echt handgewebt und bestickt sind aber die großen Tischdecken, Tischläufer und Platzdeckchen mit Blumenmuster.
Nervig ist, dass bei vielen das Dollar-Zeichen in den Augen aufleuchtet, wenn sie Touristen sehen. Ich wollt eigentlich nur ein Übersichtsfoto vom Markt machen, da zischt mich eine Frau an, ich müsste dafür bezahlen. Auf meine Frage, wen denn, da ich ja niemand spezielles fotografieren will, entgegnete sie mir doch glatt, ALLE die da grad so zufällig rumstehen und laufen! Ja, geht’s eigentlich noch? Denkt die etwa ich wär ein Millionär?!
Sowas schauen sich die Kinder natürlich von den Großen ab. So im Vorbeispringen fragen sie einfach mal jeden Touristen nach nem Peso. Aber nicht weil sie so arm wären, nein, wie überall auf der Welt, ist das Objekt der Begierde einfach nur Süßigkeiten!
Ich find, ich hab fürs erste genug hier im kalten San Cristobal gefroren, das kann ich in Deutschland ja dann wieder. Deshalb fahr ich morgen weiter nach Villahermosa.
- Reiseblog Mexiko 2008 -
Wow, das war heut schon ein besonderer Tag, um die Dörfer Chamula und Zinacantan ganz in der Nähe von San Cristobal de Las Casas zu besuchen.
Heute, am 12. Dezember, ist der höchste Feiertag der mexikanischen Katholiken. Der Tag der Jungfrau von Guadelupe. Sie ist sowas wie der Schutzpatron von Mexiko.
Wobei jeder ordentliche katholische Pfarrer wohl drei Kreuzzeichen schlagen würde, wenn er die Zeremonien in Chamula sehen würde! Außer dass die Feierlichkeiten um und in der Kirche stattfinden, hat das sonst nicht viel mit dem katholischen Glauben zu tun. Ok, außer dass auch Weihrauch verbrannt wird, allerdings viel mehr als bei uns üblich - mir ist jetzt noch ganz schwummrig!
Normalerweise halten die Medizinmänner und -frauen in der Kirche ihre “Sprechstunden” und behandeln ihre Patienten mit Eiern oder Hühnern.
Und so wird hier auch kein katholischer Priester benötigt. Jedes Dorf hat sein eigenes religiöses Oberhaupt.
Während der Zeremonie werden in der Kirche Unmengen von Weihrauch verbrannt und zu den zahlreichen Heiligen gebetet. Vor der Kirche wird musiziert und Feuerwerkskörper aus der bloßen Hand abgeschossen. Das soll die bösen Geister vertreiben. Na hoffentlich klappt das auch! Ansonsten ist die Klinik direkt gegenüber.
Alles ist einfach eine riesige, bunte und laute Fiesta!
Leider ist es nicht gestattet von den Zeremonien Fotos zu machen. Also fahrt am Besten selber hin und gebt euch dieses Spektakel!
In Zinacatan ging’s dagegen echt gesittet zu. Obwohl beide Dörfer zum Volk der Tzotzil gehören und nur wenige Kilometer von einander entfernt liegen, ist das ein Unterschied wie Tag und Nacht!
Hier darf auch ein Priester eine Messe halten, die Zeremonien sind nicht ganz so abgefahren, es ist alles etwas ruhiger.
Die Einheimischen tragen wundervolle königsblaue, mit Blumenmuster verzierte Kleidung.
Hier durften wir auch eine Familie besuchen. Es ist üblich, dass mehrere Generationen unter einem Dach wohnen. Jedes Haus braucht selbstverständlich auch einen eigenen kleinen Altar. Nun, eigentlich sind es sogar zwei. Der traditionelle mit einem Heiligenbild und ein paar Kerzen und direkt daneben der moderne, ausgestattet mit einer Flimmerkiste und allem dazugehörigen Schnickschnack (DVD-Player, Stereo-Anlage, Spiele-Konsole).
Ja, so lebt die Tzotzil-Familie, Nachfahren der großen Maya-Zivilisation, von heute. Gekocht wird in einem dunklen Loch über offenem Feuer, aber Satelliten-Fernsehen!
Hab ich schon erwähnt wie kalt es hier ist? Gut, das ist auf über 2000 m jetzt auch nicht die wahnsinns Überraschung, aber trotzdem, tengo mucho frio!!! Der Chili-Lolipop, den ich heut mal probiert hab, hat leider auch nur kurzfristig und äußerst partiell gewärmt!
- Reiseblog Mexiko 2008 -
Ich hab mich dafür entschieden in der Stadt zu übernachten und nicht in dem sogenannten legendären Backpacker-Viertel El Panchan außerhalb der Stadt im Dschungel. Schließlich möcht ich ja das Leben in Mexiko kennenlernen.
Auch wenn viele andere sagen, die Stadt hätte nichts zu bieten, ich seh das anders!
Es gibt viele Möglichkeiten gut zu Essen, sei es ein Frühstück, ein kleiner Snack oder ein großes Abendessen. Dabei wär besonders das Restaurant Las Tinajas in der Calle 20 de Noviembre zu erwähnen. Riesenportionen, superlecker, freundliche Bedienung und alles für einen kleinen Preis.
Und wer noch Platz im Koffer hat, kann sich in der Stadt mit Souvenirs eindecken.
Leider hat die Zeit nur für einen Ausflug zu den Ruinen gereicht. Schon wieder Ruinen! So langsam reicht’s aber mit den Ruinen. Mittlerweile hab ich fast nur Fotos von alten Steinen! Und trotzdem, jede Maya-Stadt, die ich bisher besucht hab, ist anders und hat ihren ganz besonderen Reiz.
Die Ruinen von Palenque liegen mitten im tropischen Dschungel. Man spaziert so durch den Wald, der den notwendigen Schatten spendet, denn es ist mal wieder superheiß und superschwül, an einem kleinen Bach mit kristallklarem Wasser entlang, hört das Gebrüll der Affen - die Affen rasen durch den Wald….die ganze Affenbande brüllt - und nebenbei schaut man sich noch die Ruinen an. Erstaunlicherweise gibt es hier trotz des tropisch feuchten Klimas viele sehr gut erhaltene Reliefs und Wandmalereien zu sehen.
Eigentlich wars dann auch nicht so schlimm, dass ich nicht die Zeit für einen Ausflug zu den Wasserfällen Agua Azul hatte - seit gestern Abend regnet es! Ein guter Tag also um nach San Cristobal de Las Casas zu fahren!